Nicht-elektrischer Explosionsschutz – Warum Sie dieses Thema ernst nehmen sollten
Wenn von Explosionsschutz die Rede ist, denken viele zuerst an elektrische Geräte: Motoren, Sensoren oder Steuerungen, die in explosionsgefährdeten Bereichen eingesetzt werden. Doch ein ebenso wichtiger Bereich ist oft weniger präsent – der nicht-elektrische Explosionsschutz. Er betrifft Geräte und Systeme wie Rührwerke, Förderanlagen oder pneumatische Baugruppen, die ohne Elektrizität betrieben werden, aber dennoch zur Zündquelle werden können.
Was bedeutet nicht-elektrischer Explosionsschutz?
Der nicht-elektrischer Explosionsschutz umfasst alle Maßnahmen für mechanische Geräte oder Baugruppen, um die Entstehung einer Explosion zu verhindern. Eine wesentliche Maßnahme ist die Vermeidung von Zündquellen. Das klingt zunächst trivial, ist in der Praxis aber hochkomplex. Denn gerade bei diesen Geräten können Reibung, Schlag, Überhitzung oder elektrostatische Aufladung potenzielle Auslöser für Explosionen sein.
Für Hersteller bedeutet das: Schon in der Produktentwicklung muss eine umfangreiche Zündgefahrenbewertung erfolgen. Hierbei werden mögliche Zündquellen identifiziert und durch Maßnahmen ausgeschlossen oder auf ein unbedenkliches Maß reduziert. Für Betreiber wiederum heißt es: Sie müssen diese Geräte im Betrieb überwachen, regelmäßig warten und die Vorgaben in den Betriebsanleitungen konsequent umsetzen.
Rechtliche Grundlagen: ATEX und ISO 80079
In Europa ist die ATEX-Richtlinie (2014/34/EU) die maßgebende Vorgabe. Sie definiert, für welche Produkte ein Explosionsschutz zwingend erforderlich ist. Entscheidend ist dabei das Vorhandensein einer eigenen potenziellen Zündquelle – dies trifft sowohl für elektrische und nicht-elektrische Geräte zu.
Ein Beispiel: Pneumatikschläuche oder Verschraubungen ohne eigene Zündquelle benötigen keine Zertifizierung für den Explosionsschutz. Entsteht aber durch den Einsatz in einer Baugruppe bzw. durch die Verwendung die Gefahr elektrostatischer Aufladung, ist diese Gefährdung in der Schnittstelle durch eine Zündgefahrenbewertung des Zusammenbaus zu bewerten.
Seit 2016 bildet die ISO 80079-36 die internationale Basis für den nicht-elektrischen Explosionsschutz. Sie beschreibt die Grundanforderungen und Methoden der Zündgefahrenbewertung. Ergänzend dazu regelt die ISO 80079-37 konkrete Zündschutzarten des nicht-elektrischen Explosionsschutzes wie konstruktive Sicherheit oder Zündquellenüberwachung.
Unterschiede zum elektrischen Explosionsschutz
Für die Zertifizierung nach der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU müssen elektrische Geräte der Gerätekategorie 1 und 2 über eine Baumusterprüfung durch notifizierte Stellen zertifiziert werden. Der Prozess bei Geräten des nicht-elektrischen Explosionsschutzes ist differenzierter:
- Kategorie 3: Hersteller dürfen das Konformitätsbewertungsverfahren nach den Anforderungen der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU eigenständig durchführen und die Konformitätserklärung selbst ausstellen.
- Kategorie 2: Hersteller dürfen das Konformitätsbewertungsverfahren nach den Anforderungen der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU eigenständig durchführen und die Konformitätserklärung selbst ausstellen. Der Hersteller muss die technischen Unterlagen notifizierten Stelle hinterlegen.
- Kategorie 1: Eine Baumusterprüfung durch eine notifizierte Stelle ist zwingend erforderlich.
Für internationale Märkte kommt das IECEx-System ins Spiel. Es basiert auf internationalen Normen und erleichtert die Zertifizierung außerhalb Europas, da die Prüfberichte als Grundlage für nationale Zulassungen genutzt werden können.
Praxis für Betreiber: Dokumentation und Organisation
Für Betreiber explosionsgefährdeter Anlagen mit Geräten des nicht-elektrischen Explsoionsschutzes gilt: Die Verantwortung endet nicht mit dem Kauf eines zertifizierten Produkts. Sie müssen:
- Betriebsanleitungen konsequent beachten
- Vorgegebene Wartungsintervalle der Hersteller berücksichtigen, um Verschleiß und Zündgefahren frühzeitig zu erkennen
- Explosionsschutzdokumente und Prüfungen nach Betriebssicherheitsverordnung führen
- Schnittstellen zwischen verschiedenen Geräten im Blick behalten
Wenn Betreiber Geräte für den Eigengebrauch entwickeln, gelten sie sogar rechtlich als Hersteller – und müssen alle Anforderungen der ATEX erfüllen.
Fazit
Nicht-elektrischer Explosionsschutz ist kein Randthema, sondern ein zentraler Bestandteil der Anlagensicherheit. Hersteller müssen ihn frühzeitig in der Entwicklung berücksichtigen, Betreiber im laufenden Betrieb umsetzen. Die Zündgefahrenbewertung, die durch den Hersteller durchzuführen ist, ist das Herzstück – sie erfordert Fachwissen, Erfahrung und Sorgfalt.
Angesichts der hohen Komplexität gilt: Regelmäßige Schulungen und Weiterbildungen sind unverzichtbar, um den Stand der Technik und die Normenlage im Blick zu behalten. Nur so lassen sich Sicherheit, Konformität und Wirtschaftlichkeit in Einklang bringen.
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will it be cover under IEC 60079 TS 46 if I apply it? and do the new EN/IEC 60079 Part 0 Edition 8 has any impact on mech assemblies as well? Thanks
Regarding IEC 60079-0 Ed.8: Not sure what is mend with “mech. assemblies”? If it is about non-electrical Ex Equipment based on 80079, marking was discussed that is required out of 80079-36 and -37.
There are some major technical changes in the upcoming new edition of IEC 60079-0. Depending on the type of product (assembly) there might be topics to be looked at.
Topics could be: Ambient temperature marking, electrostatic, factory wiring and “X” marking.