Ergebnisse der Normungsroadmap Wasserstofftechnologien 2025
Wasserstoff gilt als zentraler Baustein für die Energiewende. Er kann die Dekarbonisierung energieintensiver Industrien, die Speicherung erneuerbarer Energien und eine sektorenübergreifende Energienutzung ermöglichen – von der Mobilität über Wärme bis hin zur Industrie. Um diese Potenziale sicher, effizient und wirtschaftlich zu heben, braucht es einheitliche technische Regeln und Normen. Sie schaffen Vertrauen, Kompatibilität und Marktzugang – national wie international.
Genau hier setzt die Normungsroadmap Wasserstofftechnologien an, die von den deutschen Normungsorganisationen (u.a. DIN, DKE und DVGW) gemeinsam mit über 700 Expertinnen und Experten entwickelt wurde. Im Rahmer der Normungsroadmap wurde der aktuelle Stand der Standardisierung analysiert und ein strategischer Fahrplan für die Bedarfe der technischen Regelsetzung entlang der gesamten Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Anwendung – gebildet.
Normung als Enabler für den Markthochlauf
Ein zentrales Ergebnis der Roadmap: Ohne standardisierte Verfahren und harmonisierte Regelwerke ist ein sicherer und wirtschaftlicher Hochlauf der Wasserstofftechnologien kaum möglich. Normen sorgen für Sicherheit, Effizienz und Wirtschaftlichkeit, sie ermöglichen Skalierung und internationale Handelbarkeit.
Gleichzeitig wird Normung zunehmend zum geopolitischen Wettbewerbsfaktor – denn globale Akteure wie China oder die USA nutzen Standards gezielt, um ihre Marktpositionen zu stärken. Deutschland und Europa müssen hier strategisch mithalten.
Ergebnisse der Roadmap: Ein Überblick
In den letzten drei Jahren entstand ein umfassendes Bild des aktuellen Normungsstands für Wasserstofftechnologien. Die Ergebnisse zeigen: Deutschland ist auf vielen Feldern bereits sehr gut aufgestellt, gleichzeitig bestehen gezielte Handlungsbedarfe.
1. Erzeugung
Für die Elektrolyse, das Herzstück der Wasserstoffproduktion, liegt ein ausgereiftes Regelwerk vor. Ergänzt werden muss es vor allem um Normen für Langzeittests und Effizienzbewertung.
Für neue Erzeugungsverfahren wie thermochemische oder biogene Prozesse besteht hingegen noch Entwicklungsbedarf.
Die Systemintegration in bestehende Energieinfrastrukturen ist bereits gut geregelt, Nachhaltigkeits- und Qualitätsnormen werden derzeit harmonisiert, um internationale Handelsfähigkeit zu sichern.
2. Infrastruktur
Die leitungsgebundene Infrastruktur – Pipelines, Verdichter, Speicher – verfügt über ein nahezu vollständiges technisches Regelwerk. Größere Lücken bestehen bei untertägigen Wasserstoffspeichern und bei Transportformen in Derivaten (z. B. Ammoniak oder LOHC). Hier wird aktuell an neuen Normen gearbeitet.
Erfolgreiche nationale Projekte, etwa das Wasserstoff-Kernnetz, zeigen, wie Normung Investitionssicherheit und Planungserleichterung schafft.
3. Anwendung
Ob in Industrie, Mobilität oder Wärmeversorgung – die Roadmap zeigt ein heterogenes Bild:
- In der Industrie und bei stationären Brennstoffzellen ist das Regelwerk weitgehend vollständig.
- Der Bereich Power-to-X ist gut abgedeckt, wird aber weiter ausgebaut.
- Im Mobilitätssektor ist die Betankung mit gasförmigem Wasserstoff gut normiert; bei tiefkaltem und flüssigem Wasserstoff sowie in der Luftfahrt bestehen noch erhebliche Lücken.
4. Querschnittsthemen
Eine funktionierende Qualitätsinfrastruktur – Messtechnik, Werkstoffe, Bauteile – ist entscheidend. Die PTB und zahlreiche Partner haben hier wesentliche Grundlagen geschaffen, um Messsicherheit und internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten.
In der Sicherheit existiert ein ausgereiftes technisches Regelwerk. Dies wird entsprechend der erkannten Bedarfe fortlaufend erweitert und harmonisiert. Im Bereich der Weiterbildung gibt es umfangreiche Vorgaben, die jedoch eine Intransparenz insbesondere für neue Akteure aufweisen. Daher wurde der Bedarf zur Entwicklung eines Leitfadens adressiert, mit dessen Hilfe ein transparenter Zugang zu den Qualifikationsanforderungen ermöglicht werden soll.
Ein weiteres zentrales Ergebnis ist das Verzeichnis der Normen und technischen Regeln für Wasserstofftechnologien. Diese frei zugängliche Datenbank kann ein Hilfsmittel für alle Akteure entlang der Wasserstoffwertschöpfungskette sein. Hier können die bestehenden Regelwerke mit Hilfe von Suchfunktionen analysiert werden.
Ausblick
Die Ergebnisse der Normungsroadmap zeigen: Deutschland verfügt über ein fundiertes Regelwerk, um eine sichere und wettbewerbsfähige Wasserstoffwirtschaft aufzubauen.
Die nächsten Schritte liegen in der Schließung verbleibender Lücken und der europäischen Harmonisierung.
Mit der Roadmap hat Deutschland ein strategisches Instrument geschaffen, das nicht nur technologische Entwicklung unterstützt, sondern auch wirtschaftliche und regulatorische Orientierung bietet – und damit einen entscheidenden Beitrag zum Erfolg der Energiewende leistet.











Neuen Kommentar schreiben