Automation neu gedacht: Warum digitale Services den Unterschied machen

Digitale Zwillinge, Verwaltungsschale & Produktpass – wie Automation echten Mehrwert schafft

Die Digitalisierung verändert auch den Explosionsschutz: Produkte werden intelligenter, Services effizienter und Datenmodelle zu entscheidenden Wettbewerbsvorteilen. Im Gespräch mit Roland Dunker, Head of Digital Service bei R. STAHL, geht es um Technologien, Trends und konkrete Nutzen von Automation. Er erklärt, warum die Verwaltungsschale (AAS) der Schlüssel zu Interoperabilität ist, wie Kunden durch digitale Services profitieren – und welche Schritte Unternehmen jetzt gehen müssen, um für den Digitalen Produktpass (DPP) gerüstet zu sein.

Herr Dunker, welche Themen fallen aktuell in Ihren Verantwortungsbereich?

Roland Dunker: In meiner Abteilung betreuen wir alles rund um Industrie 4.0. Dazu gehören insbesondere Digitale Typenschilder, Digitale Zwillinge und der Digitale Produktpass. Außerdem entwickeln wir eine App, die unsere Services ergänzt, und bieten seit Kurzem auch Beratung für Unternehmen an, die den Schritt in Richtung Digitalisierung gehen wollen.

Warum haben Sie sich für die Technologie der Verwaltungsschale (Asset Administration Shell, AAS) entschieden?

Roland Dunker: Wir haben vor über vier Jahren mit dem Thema begonnen. Ausgangspunkt war das Digitale Typenschild, mit dem wir Platz und Komplexität reduzieren wollten. Schnell war klar: dafür brauchen wir ein standardisiertes Datenmodell, das weltweit einsetzbar ist. Die Verwaltungsschale wurde genau für diesen Zweck entwickelt – Maschinenkommunikation und Interoperabilität. Dass sie zudem als IEC-Norm 63278-1 international anerkannt ist, hat uns endgültig überzeugt.

Welche Informationen bieten Sie Ihren Kunden über die AAS an?

Roland Dunker: Derzeit haben wir vier Submodelle realisiert: Digital Nameplate, Technical Data, Handover Documentation nach VDI 2770 und Contact Information. Weitere Submodelle wie Maintenance Instructions, Provision of 3D Models oder Daten für die Elektrokonstruktion sind in Planung. Für uns ist die AAS eine strategische Investition: Sie erleichtert die interne Verwaltung, reduziert Materialstämme und macht uns fit für Anforderungen wie den Digitalen Produktpass.

Wie reagieren Ihre Kunden auf diese Entwicklungen?

Roland Dunker: Anfangs rechneten wir mit Vorbehalten, gerade in der eher konservativen Prozessindustrie. Doch das Gegenteil war der Fall: Kunden sehen klar den Mehrwert. Weniger Integrationsaufwand, niedrigere Kosten und mehr Transparenz sind entscheidend. Heute werden wir als Referenzlösung wahrgenommen und sind mit unseren Umsetzungen weit vorne im Markt.

Neben Datentransfer geht es auch um digitale Services. Welche Use Cases setzen Sie bereits um?

Roland Dunker: Beispiele sind Firmware-Updates, Remote-Zugriff auf Daten, Retourenprozesse per QR-Code oder die strukturierte Dokumentation nach VDI 2770. All diese Services sparen unseren Kunden erheblich Zeit und reduzieren Fehlerquellen. Besonders wichtig ist uns dabei, dass diese Lösungen praxisnah und für den Alltag der Techniker im Feld nutzbar sind.

Sie haben eine Partnerschaft mit dem Softwareanbieter conplement. Was steckt dahinter?

Roland Dunker: Mit conplement kombinieren wir unsere Plattform für Verwaltungsschalen mit leistungsfähigen Tools und Infrastruktur für AAS. Gemeinsam bieten wir Beratung, Praxis-Know-how und perspektivisch Komplettlösungen an. Ziel ist, den Einstieg in das Thema Verwaltungsschale für Unternehmen so einfach wie möglich zu machen.

Welche Rolle spielt die Standardisierung für Sie?

Roland Dunker: Eine sehr große. Entweder man standardisiert, oder man wird standardisiert. Deshalb engagieren wir uns aktiv in Gremien wie der IDTA. Das ist manchmal ein langwieriger Prozess, sorgt aber für Marktakzeptanz und ermöglicht es uns, unsere eigenen Anforderungen einzubringen.

Wo sehen Sie die langfristigen Ziele?

Roland Dunker: Unser Ziel ist, 100 % unserer Produkte auf Digitale Typenschilder und Verwaltungsschalen umzustellen und damit den Digitalen Produktpass zu realisieren. Wir sind überzeugt, dass diese Technologien in Zukunft selbstverständlich sein werden.

Was fasziniert Sie persönlich an diesem Thema?

Roland Dunker: Zum einen die Möglichkeiten im Explosionsschutz – Technik so abzusichern, dass sie selbst in gefährlichen Atmosphären sicher funktioniert. Zum anderen der Austausch entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Ich glaube, dass wir in zehn Jahren nicht mehr über Verwaltungsschalen reden werden, weil sie als Standard im Hintergrund laufen.

Welche drei Botschaften möchten Sie den Lesern mitgeben?

Roland Dunker: Erstens: Digitalisierung ist gekommen, um zu bleiben. Zweitens: Der Digitale Produktpass kommt – Unternehmen müssen sich vorbereiten. Drittens: Verwaltungsschalen und Digitale Typenschilder sind die Schlüsseltechnologien, um diesen Schritt erfolgreich zu gehen.

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